Coolness im Alter

W: Dann beginnen wir wieder mal mit unserer Podiumsdiskussion, Thema heute: die Coolness im Alter, oder „die längst überfällige Emanzipation des Alterns.“ Gäste im Studio …

Gertrud: Egon, hör auf mit dem Schlips rumzuspielen, das ist ja ekelhaft.

Egon: Der sitzt aber nich richtig, da muss ich noch durch die Schlaufe da, und dann …

Gertrud: Du brauchst doch sowieso keinen Schlips im Radio. Sieht doch keiner!

W: Ich darf mal zur Ordnung rufen. Also Gäste im Studio sind der Gerontokrat Tibor Flaussig, sowie das bekannte Eiskunstlaufpaar Gertrud und Egon Wendel. Ich werfe gleich mal die erste Frage in die Runde. Warum ist Coolness im Alter ein überfälliges Thema?

Flaussig: Weil du selber ein alter Sack geworden bist!

W: Ja, ähmm, das meinte ich aber nicht …

Gertrud: Also ich krieg immer öfter kalte Füße … ich finde schon, dass das mal thematisiert werden könnte.

Egon: Also, äh ich denke nich, dass Coolness  was mit der altersbedingten Minderdurchblutung von Akren zu tun hat, ich denke eher an Nordic Walking und so, das ist cool.

W: Ja das ja eben nicht. Alte Leute in quietschbunten und knallengen Synthetic Klamotten zu unpassenden Sportarten, das ist ja gerade uncool … vielleicht werfen wir erstmal einige bunte Namen in den Raum, coole Alte Knacker … also, wer ist alt und cool?

Flaussig: Ich!

W: Alle außer den Teilnehmern bitte …

Gertrud: Leonhard Cohen ist cool.

Egon: Willy Brandt.

Flaussig: Der ist nich nur cool, der ist mausetot du Nuschler.

Egon: Ich muss doch sehr bitten. Bevor er tot war, da äh war er cool.

W: Was ist mit Helmut Schmidt?

Gertrud: Rauchen ist aber uncool.

Flaussig: Berta!

W: Wer ist Berta?

Flaussig: Na die Haushälterin von Charlie Harper. Der ist übrigens auch cool.

Egon: Und übrigens auch tot.

Gertrud: Der war doch aber nicht alt? Außerdem lebt Charlie Sheen doch noch …

W: Also Kinder, das geht mir hier zu sehr durcheinander, können wir bitte mal ein wenig ernsthafter an das Thema rangehen, ja?  Was bedeutet überhaupt Coolness.

Flaussig: Schau doch in Wikipedia nach. Machst du doch sonst auch immer.

W: Das hab ich längst, alter Zausel. Da steht aber nicht viel. Aber ich konnte zumindest ermitteln, dass es dort mit Athaumasie konnotiert wird, was ich bemerkenswert finde. Zumal Athaumasie ja eben grad als Alterseigenschaft gelten kann, da wir ja hier eben eine non-admiristische Denkweise ghoutieren, die …

Gertrud: Egon, kannste mir das bitte mal übersetzen?

Egon: Ja also … Athaumasie, das ist das sich nich mehr wundern …

Flaussig: Ja, mit der Verwunderung beginnt das Denken, der Logos. Ich fing an zu denken, als ich mich über die Dummheit der Welt zu wundern begann!

Egon: … ja genau äh, und was der Wissdorf hier mit non-admiristisch betitelt …

Flaussig: Ein Wort dasser übrigens mal wieder frech erfunden hat!

W: Das ist nicht wahr, es handelt sich vielmehr um eine ethymologisch korrekte Ableitung …

Flaussig: Blödsinn. Pure Erfindung.

Egon: ja also darf ich jetzt vielleicht mal … ja, also äh … non admirativ wäre dann eben sich nicht mehr wundern … weil man versteht … und Madame de Stael schreibt ja auch: Alles verstehen, heißt äh, alles entschuldigen … und …

Flaussig: Verständnis ist aber nicht gleich Billigung!

Gertrud: Dann bin ich cool. Weil ich mich schon lange über nix mehr wundere …

Flaussig: Ach was soll denn bei dieser Untersuchung außer wikianischer Bruchstückhaftigkeit herauskommen, hä?

W: Wir wollen herausfinden, ob es eine Coolness des Alterns gibt.

Flaussig: Nein, gibt es nicht. Basta. Ende der Sendung, Applaus.

W: Flaussig. Ich beende hier die Sendung, dass das mal klar ist.

Egon: Jetzt wird er uncool. Haha.

W: Ach wisst ihr was? Ihr könnt mich alle mal. Tschüss. Applaus …

Applaus!!

Applaus und Ende.

Autor: Rael Wissdorf, Copyright (02.04.2014), alle Rechte vorbehalten.

Erstveröffentlichung 02.04.2014