Alle Menschen sind dumm (aber manche sind dümmer).

Veröffentlicht von RWissdorf am

Vor vielen Jahren arbeitete ich als Bühnenmusiker fürs Theater. Ich kam also mit vielen SchauspielerInnen zusammen. Und musste feststellen, dass sie mich meistens langweilten, denn in der Tat waren sie nur in ihrer jeweiligen Rolle interessant. Es gab aber auch einige unter ihnen, die mich beeindruckten. Eine von ihnen war die junge und attraktive Schauspielerin Bettina F. – mit ihr sprach ich eines Abends in einer Vorstellungspause über menschliche Intelligenz. Und da überraschte sie mich, denn sie sagte:

„Ich glaube, ich bin ziemlich dumm. Ich sehe gut aus und kann mir Texte merken, deshalb bin ich Schauspielerin. Aber von allen anderen Dingen verstehe ich überhaupt nichts, und sie interessieren mich auch nicht. Mathe, Physik aber auch Philosophie, dazu bin ich einfach nicht intelligent genug. Ich muss das auch alles nicht wissen, ich will nur meinen Job gut machen, denn davon lebe ich.“

Diese Aussage haute mich um. Da stand ein Mensch vor mir, der zugab, dumm zu sein, und der sich dafür auch nicht schämte. Im Nachhinein betrachtet, würde ich von dieser Frau jetzt behaupten, dass sie zu den Menschen meines Lebens gehörte, die unter Garantie nicht dumm waren.

Ich frage Sie jetzt: halten Sie sich für intelligent? Intelligenter, als den größten Teil der Menschheit? Dann sind Sie bestenfalls undumm. Tatsache ist: nur sehr wenige erreichen überhaupt einen IQ von 130. Und vergessen Sie mal bitte ganz schnell alle IQ Tests, die Sie im Internet absolvieren können, und die Ihnen weismachen, ihr IQ läge bei 140. Tut er nicht. Garantiert. Er wird so bei 100 liegen, denn das ist der Durchschnitt. Schon 120 ist deutlich seltener, aber ab dieser Zahl ist jeder einzelne Punkt der reine Wahnsinn. 130 ist extrem viel. Und ich kannte in meinem Leben eine Person, die von sich behauptete, einen IQ von 170 zu haben – gesehen habe ich diesen Test nie, aber diese Person ist tatsächlich unglaublich schlau.

Was ich damit sagen will: es ist normal, NICHT superschlau zu sein. Wir denken immer, es gäbe sehr viele kluge Menschen, weil wir ganze Listen von ihnen herunterbeten können, wie Einstein, Planck, Feynman und wie sie alle heißen. Das täuscht aber – denn das sind in Wahrheit sehr sehr wenige. Wir denken auch manchmal, es gäbe unglaublich viele Promis oder Stars, wie Tom Cruise, Madonna und Sigourney Weaver. Dabei stehen hinter jedem noch so kleinen „Star“ tausende „Pennys“, gescheiterter Existenzen, die alle verzweifelt versuchen, ins Rampenlicht zu gelangen, es aber nie schaffen. Und die dann Glück haben, wenn sie einen Job als PharmavertreterIn finden. Bei Schriftstellern ist es noch viel schlimmer, da stehen hinter jedem erfolgreichen Autor Millionen, die nie wahrgenommen werden.

Ähnlich verhält es sich mit der Intelligenz. Auf einen 130er kommen Millionen 100er oder sogar drunter. Im amerikanischen Bible Belt dürfte der Durchschnitt inzwischen sogar auf 90 gesunken sein. Behaupte ich jetzt mal. Hier eine kleine Tabelle, weitere Informationen findet man auf dieser Webseite.

LandIQ
Deutschland, Neuseeland100
USA98
Japan105
China104
Russland96
Kongo63
IQ nach Ländern (Auswahl)

Worauf ich hinaus will: es ist normal, nicht übermäßig intelligent zu sein. Und das ist so, weil die Evolution das so eingerichtet hat. Die Tabelle macht auch deutlich, dass der IQ mit dem BIP korreliert, aber nicht zwingend, wie die USA beweisen.

Der Mensch stammt vom Affen ab (nein tut er nicht, aber dazu mehr am Textende) – und wenn man mal Affen beobachtet, so stellt man fest, dass einige sich überraschend dumm verhalten. In einem Disney Film über Jaguare im brasilianischen Dschungel, sieht man Äffchen, die beharrlich eine Boa Constrictor ärgern, bis eines von ihnen erwischt und zu Brei zerquetscht wird. Währenddessen zerrupft ein anderer Affe bedenkenlos aus lauter Spaß ein Papageienjunges, bis dieses kreischend, mit gebrochenen Flügeln auf dem Boden aufschlägt. Wenn das unsere Vorfahren sind, wundert mich nichts mehr.

Unser Gehirn war nie dazu auserkoren, den Weg durch den Hyperraum zu entdecken. Es ist bestenfalls in der Lage, diesen Begriff für die Science Fiction Literatur zu erfinden, aber niemand ist in der Lage, die dafür notwendigen Berechnungen durchzuführen. Es sind auch immer nur die wenigen Genies, die uns technologisch nach vorne brachten. Vergesst all die Behauptungen, die darauf abzielen, große Errungenschaften als „Teamwork“ hinzustellen. Ja, vielleicht das Teamwork mehrerer einzelner Genies, aber niemals das Teamwork „normaler“ Durchschnittsmenschen.

Was kann der Durchschnittsmensch mit seinem durchschnittlichen Gehirn überhaupt leisten? Eine ganze Menge! Ich behaupte hier mal ganz vollmundig: jeder normale 100er IQ würde auf einer einsamen Insel überleben. Er würde sich eine Behausung bauen, Werkzeuge herstellen, Tiere jagen und vielleicht sogar Nahrung anpflanzen. Er oder sie wäre zu 100 Prozent überlebensfähig. Nur aufgrund seiner völlig durchschnittlichen Intelligenz.

Kam locker alleine klar: Robinson Crusoe, IQ approx. 95. Allerdings nicht, ohne als Rassist einen Schwarzen zu versklaven.

Es bedurfte zwar eines Genies, um den Ottomotor zu erfinden, es braucht aber keines, um einen solchen zu warten und zu reparieren. KFZ- Mechaniker, Heizungsinstallateure, Schreiner und Werkzeugmacher – sie alle verfügen über ausreichend Intelligenz, um technische Vorgänge zu verstehen und verantwortungsvoll damit umzugehen. Nicht jeder Brückenbauer muss ein Genie sein, kaum ein Architekt erreicht je einen IQ von 125. Genies brauchen wir nur für die ganz großen Durchbrüche, die unser Verständnis der Welt verändern. Wie Newton zb, der die Mechaniken des Himmels und der Schwerkraft beschrieb, oder Einstein, der uns die Natur des Lichts entschlüsselte. Allerdings haben Genies auch das Maschinengewehr, die Handgranate und die Atombombe erfunden. Gäbe es keine Genies, würden wir uns voraussichtlich immer noch mit Hieb- und Stichwaffen bekämpfen.

Aber die großen Theorien versteht ein normaler Mensch ohnehin nicht mehr. Einstein sagte mal, es gäbe ungefähr zwölf Menschen auf der Welt, die die Relativitätstheorie verstanden hätten. Diese Zahl ist heute vielleicht ein wenig höher, weil es mehr Wissenschaftler gibt, die über entsprechendes Vorwissen verfügen, aber ich kann von mir selbst (und mein IQ liegt deutlich unter 130) behaupten: ich habe sie mal verstanden. Es hielt genau zwanzig Minuten an, dann war da wieder diese Leere, die mich mit blöden Augen auf diese Gleichung blicken ließ.

Kennt jeder, kapiert keiner.

Die Evolution braucht keine Genies. Genau genommen, sind sie sogar kontraproduktiv, denn sie führen unter anderem zu einer höheren Lebenserwartung. Das ist der Natur gar nicht recht. Es gibt zwei Konzepte in der Natur, die das Überleben einer Art garantieren sollen: Unsterblichkeit und Reproduktion. Arten, die unsterblich sind (wie gewisse Mollusken) pflanzen sich nicht fort (denn das würde zu einer totalen Überbevölkerung führen) und sie entwickeln sich auch nicht weiter. Sie vegetieren in alle Ewigkeit dumm vor sich hin. Reproduktion dagegen führt zur Entwicklung durch Anpassung, fordert aber erbarmungslos den frühen Tod des Individuums. Dafür sterben wir: um als Art zu überleben.

Besondere Intelligenz ist also überhaupt nicht notwendig. Weder für Mensch, noch für Tier. Die Intelligenz eines Menschen soll ausreichen, um Nachkommen zu zeugen, sie zu versorgen, Häuser zu bauen, Äcker zu bewirtschaften, Rinder zu züchten, einen solchen Artikel zu schreiben und eine soziale Übereinkunft zu entwickeln, die Einzelne daran hindert, alle anderen aus Habgier umzubringen. Das nennen wir Ethik und Moral und es reicht völlig, dass die Grundsätze dieser Ethik auf 10 Gebote reduziert werden können, die von einer angeblichen Gottheit empfangen wurden.

Allerdings muss man sich inzwischen auch fragen: wieviel Dummheit verträgt die Natur, bevor sie eine Art aussterben lässt? Die Dummheit des Menschen scheint in den letzten Jahrzehnten leider massiv zuzunehmen: In Brasilien glauben einige Regierungsangehörige an die flache Erde. In Kamerun stirbt ein Priester an Covid-19, nachdem er vollmundig verkündet hatte, er könne die Krankheit durch Handauflegen heilen. Seine Anhänger sind derart verblendet, dass sie seinen Tod zunächst leugnen, und in einer „Konferenz mit Gott“ wähnen. Erst als seine Leiche vor ihren Augen begraben wird, und er beharrlich auch nach 48 Stunden nicht aufersteht, gestehen sie seinen Tod widerwillig ein. Und fürchten jetzt um all jene, die er angeblich „geheilt“ hat. So geschehen, im Jahre des Herrn 2020.

Manchmal beschleicht mich der Verdacht, Corona sei ein Korrektiv der Natur. Aber das zu glauben, würde auch mich zum Vollidioten machen. Es zeigt, wie dünn der Abstand normal Intelligenter zum Cretinismus ist. Es kann uns alle ereilen, denn wir sind eben nicht in der Lage, den Kosmos zu verstehen.

Daher ist Glaube verbreiteter als Wissen. Es führt auch dazu, dass Glaube höher geschätzt wird, als das Wissen. Wissen kann angezweifelt werden, verändert sich ständig, denn was heute wahr ist, kann morgen falsch sein. Glaube dagegen, ist beständig, ändert sich nie und erfordert keinerlei Denkfähigkeit. Für Natur und Evolution also ideal – daher halten wir uns gegenseitig tunlichst möglichst dumm.

Was grenzt an Dummheit? – „Kanada und Mexiko.“

(Abt. Spass muss sein)

Natürlich ist diese Formel jetzt von mir drastisch vereinfacht worden. Die Intelligenz der Völker ist leicht unterschiedlich: Asiaten sind intelligenter als alle, Europäer folgen ihnen auf dem Fusse, US-Amerikaner und Südamerikaner sind etwas dümmer. Das sind aber nur wenige Grad, um die das schwankt, kaum der Rede wert. Bestimmte kulturelle Merkmale fördern Intelligenz (wie zb Demokratie, freie Entfaltung, Bildung für alle) und andere – vor allem Theokratien – fördern die Dummheit (Iran = dumm). Deshalb gibt es so wenig Nobelpreisträger aus dem arabischen Raum; ihre Kultur fordert stetige Anpassung und Unterordnung, vor allem von Frauen, und unterdrückt jeden Versuch, von der Norm abzuweichen. Die Evolution freut sich darüber (wenn Evolution denn ein denkendes und fühlendes Ding wäre, was es nicht ist).

Deshalb nimmt es nicht Wunder, dass in der Zeit, als das Coronavirus wütete, viele Menschen den abstrusesten Glaubensvorstellungen anheim fielen. Da wurde ein steinreicher IT-Milliardär und Philantrop zum Antichristen hochstilisiert, ausgebildete Ärzte (man braucht für Medizin keinen hohen IQ) verbreiteten absurde Behauptungen, die dann von all jenen, die sich für besonders schlau hielten, bereitwillig geglaubt wurden. Es ist ein Merkmal der Dummheit, dass sie sich für schlau hält. Und je dümmer einer ist, für umso schlauer hält er sich. Allerdings kann das auch für extrem intelligente Menschen gelten: weil sie gewohnt sind, mit einem eklatant hohen IQ viele Wissensbereiche zu durchblicken, neigen sie mitunter dann auch zur völligen Selbstüberschätzung, oder auch dem Gegenteil, das hängt ganz von der psychologischen Prägung ab.

Sind nun all diese Menschen dumm? Nun, dann sind wir alle dumm. Oder manche eben noch ein wenig dümmer. Tatsächlich können wir den IQ der meisten Verkünder abstruser Theorien im 96er Bereich ansiedeln, also Xavier Naidoo, Ken Jebsen, Attila Hildman – die sind alle durchschnittlich intelligent, keineswegs dümmer, als der Durchschnitt.

Letztlich ist es der Natur egal, wie schlau wir sind, und an was wir glauben. Die Natur will nur das Überleben der Art – alles andere ist völlig egal. Man könnte sagen, die Natur wäre pragmatisch. Allerdings könnte man ihr dann getrost vorwerfen, dass es ziemlich dumm war, eine Spezies hervorzubringen, die inzwischen sehr effizient darin geworden ist, die Natur zu vernichten. Und das aus purer Dummheit.

Was ist das Fazit dieses Traktats? Es gibt kein Fazit. Außer, dass ich versucht habe, den Titel des Essays zu untermauern. Alle Menschen sind dumm, manche sind dümmer. Ich denke, es gibt kaum jemanden, der diesem Satz widersprechen möchte. Ich gehe sogar soweit, zu sagen, dass dieser Satz der größtmögliche Konsens einer Schar von bald 8 Milliarden Vollidioten ist.

Dieser Patakaustikbeitrag dient lediglich dazu, ein wenig mehr Verständnis für den allgemeinen Geisteszustand der Menschheit aufzubringen. Es gab auch nie eine Zeit, in der Menschen klüger gewesen wären – im Gegenteil. Mögen sie heute an Reptiloide glauben, oder an die flache bzw hohle Erde (je nach Gruppenzugehörigkeit wählbar) oder daran, dass Deutschland eine GmbH ist – früher glaubten sie dafür an Hexen, daran, dass die Juden an allem schuld sind (oops, das ist ja leider immer noch aktuell), daran, dass man nur beichten muss um trotz zahlreicher Morde und Vergewaltigungen auf dem Gewissen in den Himmel zu kommen, sie beschworen hunderte von Gottheiten und vollzogen verrückte Fruchtbarkeitsrituale.

Und damals wie heute essen sie in Kirchen den Körper einer Heilsfigur. Kannibalismus als ritueller Akt der Eucharistie. Kluge Menschen hinterfragen das, dumme tun es nicht. Allerdings ist der Grad zwischen normaler Dummheit und normaler Klugheit gering. Daher ende ich mit einem weiteren, klugen Zitat:

Seine eigene Dummheit zu erkennen, mag schmerzlich sein. Keinesfalls aber eine Dummheit.

Oliver Hassencamp

Korrekturen nach Veröffentlichung:

  1. Natürlich stammt der Mensch nicht direkt vom Affen ab. Homo Sapiens und einige Primatenarten haben gemeinsame Vorfahren. Mit der Aussage, der Mensch stamme vom Affen ab, hat man versucht, Darwin zu diskreditieren, der das so ja nie behauptet hat.