Ehrlichkeit ist Lüge

Es gibt gewisse Floskeln, die uns bitter entlarven. Vor allem die Floskel »Ehrlich gesagt…« – oder die Variante »jetzt mal ganz ehrlich« – oder als Einschub »… und das meine ich ganz ehrlich«. Potzblitz: Ansonsten wird also nur gelogen? Und nur jetzt »mal« ganz ehrlich gesprochen? Ist wohl so.
Ferner beschreiben sich Menschen sehr häufig als »ehrlich«. Sie begründen sogar rüdes Sprachverhalten damit, oder schlicht ihre bösartige und beisserische Natur, indem sie vorgeben »ich bin eben ein ehrlicher Typ, ich kann mich nicht verbiegen. Ich sage frei heraus, was ich denke. Wenn euch das nicht passt, mir auch egal!«
Das ist so ziemlich die verlogenste und heuchlerischste Methode, seine Unsensibilität zu kaschieren. Am Ende sollten wir Schilder auf der Stirn kleben haben: »VORSICHT EHRLICH!«, damit all die Sanftmütigen schnell Reissaus nehmen können? Mehr lesen

Deutsch ist Glückssache

Wissdorf: So, wir können dann jetzt unsere Podiumsdiskussion beginnen, ich bitte die Technik mal das Publikum runterzudrehen … danke. Schöne Ausblendung übrigens. Den Applaus nachher aber bitte nicht wieder mit zu langer Verzögerung, und die Radiofuzzis möchte ich bitten, nicht wieder den letzten Satz abzuschneiden … ok! Dann fangen wir an. Das heutige Thema dieser Patakaustik Folge lautet: Wer nicht deutsch kann, kann nicht denken. Übrigens ein Ausspruch von Friedrich Sieburg. Dazu haben wir zwei hochkarätige Experten ins Studio eingeladen, die in letzter Zeit durch ihre scharfsinnigen Beobachtungen in der Sprachwelt Furore gemacht haben. Zu meiner Rechten sitzt der Altphilologe und Politsuppenkasper Professor Egon Wendel, Verfasser des Buches: Deutsch ist Glückssache … guten Abend Herr Wendel.

Wendel: Gunnahmd

… und zu meiner Linken der sattsam bekannte und überaus populäre Sprachvernudler und Wechseldrexelpexel Dr. Tibor Flaussig, Verfasser des Buches: Deutsch ist Glückssache ist von mir du Idiot.

Genauso bekannt sind aber auch seine Bestseller „Das Parfüm hab ich geschrieben du Arsch“ sowie „Die Buddenbrooks waren nur lahmarschige Krämer, Mann!“ Hallo Flaussig, du alte Ratte.

Flaussig: Du mich auch!

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Hau die Strasse!

Redewendungen sind schön und gut, und man erwartet hier eigentlich auch keine Logik. Eine Redewendung wie z.B. „das kriegen wir schon gebacken“ kann auch von Nicht-Bäckern verwendet werden, der Sinn erschließt sich ja aus der Metapher. Redewendungen sind das Salz in der Suppe, (was schon wieder eine Redewendung war) und bereichern die Sprache. Und sie sind unglaublich lustig, wenn man sie z.B. ins Englische übersetzt, wie das beliebte „Ich bring dich um die Ecke“ in „I bring you round the corner“. Auch umgekehrt machen sie Spaß, wie das englische „Hit the road“, welches einfach nur „Ich fahr dann mal los“ bedeutet, übersetzt aber zu einem verblüffenden „Ich haue die Straße“ wird. Und warum im Mann ein Kind lebt, wird ein Japaner niemals verstehen.

Wer mal drauf achtet, wird feststellen, dass unsere Sprache von Redewendungen nur so wimmelt, ja eigentlich zu einem hohen Prozentsatz fast nur aus solchen besteht. Redewendungen sind nur dann zu verstehen, wenn man den gesamten sozio-kulturellen Hintergrund einer Sprache kennt; man muss sozusagen „hineingeboren“ sein. Sprachfremde haben daher oft ein Problem damit, da sie eine Redewendung wie „jetzt hau’n wir auf die Pauke“ mit der Aufforderung verwechseln, als Schlagzeuger einem Orchester beizutreten. Oder, wie es in der Wikipedia so schön als Beispiel aufgeführt wird, können sie zwar die Begriffe „Grün“ und „Zweig“ verstehen, wissen aber noch lange nicht, wie sie „auf einen grünen Zweig“ kommen. Mehr lesen

Süddeutsche und Nordwestostdeutsche verbindet vieles. Außer der Sprache.

„Heb das mal!“

Diese Aufforderung, von einem Süddeutschen an einen NWO-Deutschen gerichtet, löst Verwirrung aus. Der NWOD ist der Ansicht, er sollte das Teil nun hoch- oder aufheben. Der SD (Süddeutsche) dagegen, meint damit, er solle es festhalten. Dieses sprachliche Missverständnis kann zu hitzigen Debatten bis hin zur offenen Prügelei führen, nur weil hier Begrifflichkeiten in anderem Kontext verwendet werden.

Wenn ein Süddeutscher zum Arzt kommt und erklärt, ihm täte „der Fuß“ weh, so fragt ein Süddeutscher Arzt einfach nur „und wo da?“, weil er weiß, dass der Süddeutsche mit Fuß all das bezeichnet, was von der Hüfte abwärts bis zu den Zehen reicht. Ein NWOD-Arzt wäre jetzt hilflos, denn er würde den Fuß untersuchen und nichts finden, weil der SD vom Knie gesprochen hatte. Mehr lesen

Wie man blöd wird

Über Klugheit wird viel geschrieben, und auch darüber, wie man sie erlangt. Klugheit. Weisheit, Wissen an sich werden vom Spirikariat der Schlaumeier gern als einzig erstrebenswerte humanistische Güter angepriesen und ihre Vertreter schauen auf das Prekariat der Dummheit verächtlich herab.

Gleichzeitig aber, und jetzt halten Sie sich fest, gleichzeitig beklagen so ziemlich alle klugen Menschen, dass die Welt von den Blöden regiert würde. Und verweisen dabei stets auf kleinhirnige Herrscher wie George W. Bush, Helmut Kohl und Florian Silbereisen. Wobei letzterer nicht als Herrscher zu betrachten ist, aber die Tatsache, dass er sich eine bildhübsche Schlagersängerin geangelt hat, macht ihn per se zum Hassobjekt der Intelligenz.

Jetzt mal eine spitzfindige Frage: Wie kann es sein, dass die Welt von Blödheit regiert wird, wenn es doch so viele Schlaumeier gibt? Ja, schenkt man den vielen Kommentaren auf Facebook den Glauben, die sie erheischen, sind alle, wirklich alle unglaublich schlau. Es kommt auch extrem selten vor, dass Menschen sich freiwillig als blöd outen. So blöd können sie also eigentlich nicht sein, denn dann könnten sie es ja tun. Und heimlich kichern, hehe reingelegt, ich bin gar nicht blöd. Tut aber keiner. Die Gefahr, tatsächlich für blöd gehalten zu werden, ist viel zu hoch, das wäre ja sowas von peinlich. Mehr lesen

Gut & Böse

Um herauszufinden, ob man selbst ein böser Mensch ist, muss man zu ekligen Dingen bereit sein. Das ist ungefähr so, als würde man sich den Hintern mit der eigenen Brille abwischen und sie dann wieder aufsetzen. Die Scheiße, die man dann sieht, ist überwiegend die eigene.

Dazu sind die wenigsten Menschen bereit. Sie sind aber seltsamerweise bereit, sich die Brille am Arsch eines anderen abzuwischen und nur dessen Scheiße zu sehen. Das ist im Übrigen schon der erste Schritt. Denn der dies tut, ist bereits ein kleines bisschen böse.

Fangen wir mal mit den Dinosauriern an. Vielleicht kam ja mit ihnen das Böse in die Welt? Der brave Triceratops kaute nur Gemüse, und war ein liebes Tier. Dann kam der gemeine T-Rex und machte ihn tot. Das war wirklich böse. Nur: hätte der Triceratops zuviel von dem Gemüse gefressen, wäre das ganze Grünzeugs weg gewesen, und damit einige extrem wichtige biochemische Prozesse, die das Leben überhaupt erst ermöglichen. Insofern brauchte es also den fiesen T-Rex, um dafür zu sorgen, dass ebendiese Prozesse weiterhin garantiert sind. Mehr lesen

Hilfe! Die sagen, ich bin süchtig.

Das zeitgemäße KO-Argument für unbequeme Zeitgenossen lautet „Sucht“. Sucht ist das Thema unseres Jahrhunderts. Das Witzige daran ist, dass es den Begriff „Sucht“ im rein wissenschaftlichen Sinne gar nicht gibt. Oder nicht mehr gibt. In der medizinischen Fachwelt spricht man bestenfalls vom „Abhängigkeitssyndrom“, was viele als einen Euphemismus für den gleichen Begriff ansehen mögen.

Sucht war ein Schlagwort des 20. Jahrhunderts und wurde erst in den 80er Jahren aus dem Sprachgebrauch der Medizin gestrichen, um betroffenen Personen das Stigma des Süchtigen zu nehmen. Süchtig sein, das bedeutete ja in der angepassten Vermeidungsgesellschaft der braven Bürger auch gleichzeitig „Schwäche“, „Mangelnde Willenskraft“ oder einfach „krank“. Wobei letzteres sogar stimmt, denn Sucht war im Mittelalter nur ein anderes Wort für Krankheit. Fallsucht, Schwindsucht, Wassersucht … all das sind medizinisch anerkannte Krankheiten, für die ein Kranker nun mal nichts kann. Man zieht sich Tuberkulose nicht durch Willensschwäche zu. Das, was wir heute als Sucht bezeichnen, kannte man bestenfalls als Trunksucht, also Alkoholismus. Mehr lesen

Jahresrückblick

Jahresrückblick. Jahresrückblick 2017. Immer diese Jahresrückblicke, damit die Sendeanstalten die ganzen verstaubten Archivaufnahmen rauskramen und nochmals verwerten können. Abgehalfterte Comedians können ihre alten Witze recyclen und Nachrichtenredaktionen sich ihren Content für die nächste Ausgabe aufheben. Aber was soll schon passiert sein? Irgendwelche Prominenten sterben immer. Es sterben auch eine Menge Nicht-Prominenter, aber über die zu berichten würde den Rahmen sprengen. Karl Ramseyer ist tot.

Irgendwo schwappt auch immer mal das Meer unbotmäßig über die Ufer, irgendein Berg kracht garantiert zusammen und Erdbeben haben ohnehin einen Dauervertrag mit den Medien. Und natürlich Kriege – die finden auch verlässlich immer irgendwo statt. Nicht zu vergessen, die vielen Skandale und Skandälchen, Hochzeiten, Adelsgeburten, all der Klatsch und Tratsch ohne den unsere Regenbogenpresse gezwungen wäre, über Relevantes zu berichten. Mehr lesen

Die Diktatur der Frühaufsteher

Patakaustik „Schwarze Serie“ (Was ist die schwarze Serie?)

Gleich vorneweg: Frühaufsteher sind die Pest. Aber bevor ich nach Leibeskräften auf diese Spezies eindreschen werde, zunächst eine Definition: wer ist ein Frühaufsteher?

Ein Frühaufsteher (oder das weibliche Pendant, die FrühaufsteherIn) ist ein Mensch, der es liebt, morgens vor acht Uhr aus den Federn zu springen, aus welchen Gründen auch immer. Meistens tun sie es, um irgendwie die Welt zu erobern, doch dazu später. Wer bis um 8 Uhr schläft ist schon kein Frühaufsteher mehr. Und damit meine ich keineswegs die bedauernswerten Zeitgenossen, welche vor 8 Uhr aufstehen müssen, weil berufliche oder andere Umstände sie dazu zwingen, nein hier ist die Rede von jenen, die das gerne tun, die gar nicht anders können, weil ihre Natur es verlangt.

Das allseits bekannte Gegenstück dazu, ist der Langschläfer. Doch schon in diesem Terminus zeigt sich die Perfidie des Systems. Als würde der Frühaufsteher weniger schlafen, als würde der Nachtmensch länger in den Federn schnarchen. Dabei ist oft das Gegenteil der Fall: ein sogenannter Langschläfer hat häufig weniger Schlaf, als der zwanghafte Frühaufsteher, der ja meist beizeiten zu Bett geht. Es sollte also nicht Langschläfer heissen, sondern bestenfalls Spätaufsteher. Noch treffender wäre die Unterteilung in „Nachteulen“ und „Morgenhühner“. Denn die einen leben nach der Devise „Carpe noctem“ oder versöhnlicher, denn Nachteulen müssen sich stets verstellen „Carpe diem et ama noctem (Nutze den Tag und liebe die Nacht)“, während die Morgenhühner grimmig den Tag verwenden, um ihre Vormachtstellung auszubauen. Mehr lesen

Der Sinn des Lebens

Googelt man diese Frage in Deutschland , erhält man aktuell 1 Million 350.000 Ergebnisse, die alles Mögliche umfassen, von der Zahl 42 bis zu Monty Python Filmen. Googelt man auf Englisch, erhöht sich die Zahl der Einträge auf satte 724 Millionen, wobei auch hier schnell die 42 sowie Monty Python gefunden werden. Das ist bemerkenswert, denn damit gehört diese Frage ohne jeden Zweifel zu den am häufigsten gegoogelten Begriffen. Selbst der Terminus „Sex“ mit nur 609 Millionen Einträgen oder Pamela Anderson mit läppischen 35 Millionen Suchergebnissen erreichen nicht dieses allgemeine Interesse. Und ganz oben in den Antworten dominieren zwei hauptamtliche Witzemacher: Douglas Adams und die Pythontruppe, die ohnehin miteinander zu tun hatten, denn Adams schrieb Sketche für die Pythons. Mal abgesehen davon, dass die Antwort „42“ auf die Frage nach dem Sinn des Lebens so absurd erscheint, dass fast jeder herzhaft darüber lachen muss, erklärt das aber nicht, warum sie so extrem populär ist. Patakaustik erklärt euch, warum: Weil sie stimmt. Mehr lesen