Sprache als Indikator für Intelligenz

In dieser Folge möchte ich mich mit einem Begriff beschäftigen, den jeder von uns tagtäglich in den Mund nimmt, oft aber nicht wirklich beherrscht. Den der Sprache selbst nämlich. Sprache ist zunächst mal ein Mittel zur Kommunikation. Das ist jedem klar. Aber was bedeutet das? Kommunikation bedeutet Verständigung und Informationsaustausch. Aber Sprache ist mehr als das. Nehmen wir ein Beispiel:

„Scheiß-Wetter heute, was?“

„Ja, Scheiß-Wetter“.

Hat dieser Dialog etwas mit Informationsaustausch zu tun? Wohl kaum, denn beide Kommunikanten wissen bereits, dass das Wetter scheiße ist. Wenn ich zu einem Zeitgenossen „Scheiß-Wetter heute“ sage, dann habe ich ihn nicht darüber informiert, dass das Wetter nicht gut ist, denn das weiß er bereits selber. Ich kommuniziere auch nicht wirklich, denn der Gegenstand der Kommunikation ist ja nichts, was kommuniziert werden müsste. Wir nennen solcherart Austausch schlicht „Small Talk“ oder auch „Bla Bla“ oder einfach „Tratsch“. Hier dient die Sprache weder der Informationsübermittlung, noch der Kommunikation, sondern hat eine rein soziale Funktion. Man könnte dem Gegenüber auch einfach nur auf die Schulter klopfen und nach oben auf die Regenwolken deuten. Dies würde verstanden, abgenickt – und damit wäre die gleiche Art sozialen Austausches erfolgt, nur eben ohne Worte. Sprache braucht also nicht unbedingt immer Worte. Mehr lesen

Deutsche Wasser sind genitiv

Deutsche Sprache ist amüsant. Vor allem, weil viele Deutsche englisch reden, ohne es zu merken. Deutsche Sprache ist aber auch so kompliziert. Nicht nur, dass wir uns mit Fällen herumärgern müssen, die andere Sprachen so gar nicht haben, wie zB. das Englische. Wobei es die im Englischen schon gibt, es fällt nur nicht weiter auf, weil sie keinen Artikel kennen.

Das heißt, sie kennen ihn schon, aber es ist immer derselbe: the. Und als unspezifisches Syntagma verwenden sie ausschließlich das Wörtchen „a“ (a watch, a window, a man). Das macht ja dann auch das Radebrechen amerikanischer Besucher so amüsant. „Ick bin zu spät weil die Bus nicht ist gekommen“.

Im Falle des Falles nun, oder wissenschaftlich ausformuliert „Dativ, Genitiv oder für 10 Cent Akkusativ“ geben wir mal ein Beispiel: „Pick up the spoon“. Auf deutsch: Hebe den Löffel auf. Im englischen: Hebe der/die/das Löffel auf. Kein Fall zu hören, er geht schlicht im einheitlichen Artikelgedöns der Engländer unter. Der arme Deutsche muss sich den Kopf zerbrechen, welcher verdammte Fall das nun ist, der Engländer labert einfach drauflos.

Wahrscheinlich sind Hessen daher verkappte Engländer, denn in ihrer Sprache verwenden sie ebenfalls nur das Syntagma „ä“. „Gugge mol do driwwe, do is ä Uhr. Wann de große Zeischä uff de Zwölf stähe dudd, trewwe mer uns.“

Das ist doch glasklares Englisch. Nur „ä“ und „de“ (das th werden Hessen natürlich nicht aussprechen, sie lispeln ja nicht). Gilt übrigens auch für die Schwaben. Alles Engländer! Mehr lesen

Auf Deutsch gesagt: Über sinnlose Worthülsen

Hört man leider immer wieder und fragt sich jedesmal auf’s Neue, was es bedeuten soll: der Zusatz „auf deutsch gesagt“. Meist im Zusammenhang mit einer derben Umschreibung eines Sachverhalts. Beispiel: „Dieses Game ist [hier beliebigen Kraftausdruck einsetzen], auf deutsch gesagt!“ Ja, wie denn sonst? Ist der restliche Satz in spanisch, so dass er darauf hinweisen muss, dass er dieses spezifische Wort jetzt „deutsch“ spricht? Dies entbehrt jedweder Logik, denn ich wäre ja kaum imstande, einen spanischen Satz zu verstehen.

Andersherum ergäbe es Sinn. Wenn ein Amerikaner mir beispielsweise sagen würde: „This game is [beliebigen deutschen Kraftausdruck einsetzen], to say it in german!“, dann ergäbe es Sinn. Umgekehrt könnte der Deutsche mir auch mitteilen: „Dieses Spiel ist [beliebigen englischen Kraftausdruck einsetzen], auf englisch gesagt!“, dann könnte ich ebenfalls verstehen, was er meint. Auch wenn ich mich fragen müsste, warum man auf englisch fluchen muss, wenn man es auch auf deutsch sagen kann.

„Auf deutsch gesagt“ ist nichts weiter als eine kleinlaute Diminuierung, der klägliche Versuch, die Verwendung von Gossensprache zu entkräften. So als wolle man vermitteln: „Ja, das Wort ist Fäkalsprache, aber es ist Bestandteil der deutschen Sprache, und als Deutscher hab ich es verwendet, verdammt nochmal!“

Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass der Ausdruck nichts ausdrückt, außer „Ich habe keine Ahnung, was ich da rede, aber Hauptsache mal was gesagt!“

Sprache wird hier zum Selbstzweck, und dann verliert sie leider ihre kommunikativen Eigenschaften. Das nachplappern sinnloser Worthülsen zeigt dem Gegenüber nur eins: Dass man nicht weiß, was man redet.

Autor: Rael Wissdorf, Copyright (30.03.2013), alle Rechte vorbehalten.
Erstveröffentlichung 30.03.2013

Ariel in der Tube

Über neuzeitlichen Aberglauben und Hokuspokus

Dieses Thema war lange fällig, betrifft es doch das patakaustische Weltbild in all seinen Facetten. Ein Patakaustiker ist in erster Linie eines: misstrauisch. Und alles, was im weitesten Sinne mit Esoterik zu tun hat verdient allertiefstes Misstrauen. Und man kann nicht oft genug über Leute spotten, die diesen ganzen Mist glauben. Es ist sogar die Pflicht eines jeden Patakausten, nach Kräften zu spotten und zu verhöhnen, denn nur so gelingt es uns vielleicht, die hartnäckigsten Esoterikspinner in die Enge zu treiben, auf dass sie sich schamhaft winselnd in die dunkelsten Ecken verkriechen.

Aber schauen wir uns in der Esoszene doch mal genauer um. Was ist eigentlich alles „Eso“? Das fängt ja schon beim Begriff selbst an. „Esoterik“ ist zunächst mal ein griechisches Wort, also ein Begriff aus einer Sprache, die kaum ein Esoteriker sprechen kann. Es gibt zwar auch griechige Esoteriker, die machen sich aber eher in der Finanzbranche breit. Esoterik bezeichnet eine Lehre oder gar Philosophie, die nur einem kleinen „inneren“ Kreis zugänglich ist. Wahres esoterisches Wissen ist demnach also keinesfalls frei verfügbar, sondern wird in kleinsten Zirkeln, unter der Hand, nur wenigen Eingeweihten zugewispert. Keinesfalls aber bei Amazon in der Bestseller Ecke verhökert. Damit haben wir die gesamte Esoterik ohnehin schon ad absurdum geführt, denn was unter dem Mäntelchen „Esoterik“ vertrieben wird, ist bestenfalls das exakte Gegenteil davon. Mehr lesen

Evolution

Evolution. Die Veränderung der Merkmale einer Population von Generation zu Generation. Mehr nicht. Was leider viele fälschlicherweise tun, ist Evolution mit „Weiter Entwicklung“ zu verwechseln. Das ist natürlich absoluter Unsinn. Oder will jemand ernsthaft behaupten, die anspruchsvolle Progrock-Musik der Siebziger Jahre hätte sich in den Achtzigern mit Nenas Geplapper weiterentwickelt? Wohl kaum.

Evolution – das ist die Anpassung von Lebensformen an die jeweils vorherrschenden Umweltbedingungen. Und das impliziert keineswegs Fortschritt. Im Gegenteil, zuweilen kann eine Anpassung an Umweltbedingungen auch einen Rückschritt bedeuten. Schauen wir uns mal die Geschichte des Homo Sapiens an. Wobei der Name allein schon für Erheiterung sorgt, denn Sapiens heißt „weise“. Da wurde einfach nur ein S vergessen, denn die Evolution führte gnadenlos zur Vorherrschaft der Bleichgesichter, mit allen damit verbundenen Schrecknissen: Staus auf der A5, Massentierhaltung, Vergiftung der Umwelt, Globalisierung, DSDS. Wobei das nun streng genommen nichts mit der erfolgreicheren Hautfarbe zu tun hat, denn alle dunkelhäutigen Vertreter unserer Spezies sind nicht minder brutal. Die logische Konsequenz der Evolution wäre jetzt ein Virus, welches nur eben jenen Homo befällt und die gesamte Population ausrottet. Für den Planeten wäre es ein Segen. Klar würden auch ein paar nette Leute dabei draufgehen, also auch alle Veganer, Papiertütenbenutzer und Fahrradfahrer, aber diese Exemplare der Spezies waren schon immer opferbereit. So mancher Gutmensch würde sicher sofort sein Leben geben, würde ihm im Gegenzug garantiert, dass Leute wie Donald Trump und Erdogan auch unter den Leichen sind. Mehr lesen

Drive the Wechselgeld Nüsse

Jeff. Ich heiße Jeff.

Wir haben uns in den letzten Patakaustik Beiträgen vornehmlich mit dem Sprachgebaren im normalen Umgang beschäftigt. Wird langsam Zeit, dass wir uns Spezialthemen zuwenden, die uns nicht minder auf die Nerven gehen. Ein herausragendes Sujet in welchem sprachlicher Nonsens recht häufig in freier Wildbahn anzutreffen ist, stellt natürlich die Werbebranche zur Verfügung. Wobei hier natürlich nicht nur sprachliche Kriterien untersucht werden sollen, sondern ganz allgemein alles, was uns in täglichen Werbesendungen auf die Palme treibt.

Theoretisch könnten wir uns dann ein ganzes Leben lang damit beschäftigen, denn die Werbedummheit ist unendlich. Daher wollen wir uns auf einige ganz subjektiv ausgewählte Beispiele beschränken.

Harz4-Empfänger, selbständige Nachtarbeiter und ungehorsame Teenager kennen das Nachtprogramm aus dem FF. Und ab einer gewissen Uhrzeit werden da fast nur noch einschlägige Erotik-Angebote beworben. Die unfassbar dümmlich geplärrten Nullhundertneunzig fümmunfümmzich-sexsex Slogans wollen wir hier gar nicht weiter erwähnen, denn dass diese sich nicht an das Gehirn oder gar Sprachzentrum des Zuschauers wenden, sondern an einige Etagen tiefer, wird selbst dem Dümmsten schnell klar. Das einzige Bonmot, welches es hier jemals über den Dunstkreis maßloser Flachheit herausgeschafft hat, dürfte der Spruch der Domina sein, die peitschenknallend skandierte: RUF.MICH.AN. Mehr lesen

Den Vortex kalibrieren, aber schnell!

Technobabbel nicht nur in SciFi-Serien sondern auch in der Esoterikszene.

Unsere Zeit ist voller faszinierender Erfindungen, fast täglich kommen neue hinzu. Das dumme daran ist, dass Menschen mit den Jahrhunderten nicht klüger geworden sind. Und unser Gehirn hat sich seit einigen tausend Jahren auch nicht mehr maßgeblich verändert.

Unsere Arroganz übrigens ebenfalls nicht.

Manche Zeitgenossen machen sich einen Spaß aus der Vorstellung, einen Steinzeitmenschen per Zeitmaschine urplötzlich aus seiner Höhle bei Neanderthal auf eine belebte Kreuzung einer Großstadt zu befördern, sagen wir mal, den Times Square in New York. Und dann beömmeln sie sich bei dem Gedanken, was der wohl für ein blödes Gesicht machen würde.

Manche schließen auch mit sich selbst Wetten ab, wie lange der Urmensch da wohl überleben würde.

Ich finde diese Vorstellung nicht wirklich lustig. Denn das tatsächliche Ergebnis wäre ernüchternd. Der Steinzeitmensch würde sich nämlich gar nicht groß darüber aufregen. Dass er jetzt von seiner Höhle in eine ihm bis dato vollkommen unbekannte Welt versetzt worden ist, würde er sich mit irgendeinem Hexenzeugs erklären und nicht weiter drüber nachdenken. Dass lautstark heranrasende Monster auf vier Rädern gefährlich für ihn sind, weiß er spätestens seit ihn ein tollwütiger Elch quer durch den Finsterwald getrieben hat. Dass sein Fellkostüm und sein knorriger Prügel in der rechten Hand nicht ganz dem modischen Zeitgeschmack entsprechen, hätte er auch recht schnell kapiert. Nur wenige Wochen später säße der Urmensch im beschlipsten Anzug an einer Cappuccino-Bar und würde mit einem Anthropologen die neusten Börsenkurse diskutieren. Mehr lesen

Kausalität, Korrelation, Koinzidenz

Bei weiter fortschreitender Demenz der Volksmassen, schälen sich immer mehr zwei Lager heraus, die sich unversöhnlich gegenüberstehen: Esoteriker und Anhänger der Naturwissenschaften. Dabei behaupten beide Seiten, dem Wissen zu dienen. Die Esoteriker meinen, sie wüssten schon alles, während Wissenschaftler wissen, dass sie nur manches aber noch längst nicht alles wissen.

Früher gab es einfach nur Mediziner. Die alle mehr oder minder erfolgreich Krankheiten heilten, oder sie hervorriefen, wenn grad nichts zu heilen war. Sie arbeiteten alle mit denselben Methoden: Tränke verabreichen, hoffen, dass die helfen würden, Blut abzapfen, hoffen, dass das helfen möge, Knochen schienen, hoffen, dass sie zusammenwachsen würden. Erst mit der Zeit begannen auch Mediziner, sich wissenschaftlicher Methoden zu bedienen. Mit der Entdeckung des Bakteriums beispielsweise, erschien es vielen Medizinern fortan einleuchtend, sich vor einer Operation die Hände zu waschen. Weil sie den kausalen Zusammenhang zwischen einer Streptokokkeninfektion und einer Herzklappeninsuffizienz erkannten. Heute nennen Esoteriker solche Ärzte „Schulmediziner“ und meinen das Negativ. Während Heilpraktiker lieber mit der alten Methode weiter machen. Sie wissen schon: Globuli verabreichen, hoffen, dass das hilft, Blut abzapfen, hoffen dass es hilft, usw. Solche Zeitgenossen lassen sich durch so Spitzfindigkeiten wie „Kausalität“ nicht aus der Ruhe bringen. Mehr lesen

Das ist Papageiendeutsch, im Endeffekt.

Eine der penetrantesten Worthülsen der deutschen Sprache ist die Redewendung „im Endeffekt“, die nahezu epidemisch grassiert. Aber was bedeutet diese sinnfreie Floskel eigentlich, im Endeffekt? Als internetsüchtiger Zeitgenosse schlage ich zunächst mal in der Wikipedia nach und werde unter dem Oberbegriff „Floskel“ fündig:

„Heute ist mit einer Floskel eine inhaltsleere Sprachhülse gemeint und wird daher oft abwertend gebraucht. Nicht zuletzt durch Funk- und Fernsehmedien verbreiten sich Floskeln in der deutschen Sprache epidemisch rasch und bei ihren Verwendern subliminal. Durch ihre permanente Wiederholung entwickelt sich das Deutsch ihrer Verwender zum „Papageien-Deutsch“ (Schenk).“

Und weiter:

Beispiele: halt eben, an der/dieser Stelle, letztendlich (statt letztlich oder endlich), im Endeffekt, einfach, nicht wirklich, ein Stück weit, eh, sage ich mal, ich denke, wie gesagt (wobei der hierauf genannte Inhalt nicht zwangsweise bereits gesagt wurde) Mehr lesen

Coolness im Alter

W: Dann beginnen wir wieder mal mit unserer Podiumsdiskussion, Thema heute: die Coolness im Alter, oder „die längst überfällige Emanzipation des Alterns.“ Gäste im Studio …

Gertrud: Egon, hör auf mit dem Schlips rumzuspielen, das ist ja ekelhaft.

Egon: Der sitzt aber nich richtig, da muss ich noch durch die Schlaufe da, und dann …

Gertrud: Du brauchst doch sowieso keinen Schlips im Radio. Sieht doch keiner!

W: Ich darf mal zur Ordnung rufen. Also Gäste im Studio sind der Gerontokrat Tibor Flaussig, sowie das bekannte Eiskunstlaufpaar Gertrud und Egon Wendel. Ich werfe gleich mal die erste Frage in die Runde. Warum ist Coolness im Alter ein überfälliges Thema?

Flaussig: Weil du selber ein alter Sack geworden bist!

W: Ja, ähmm, das meinte ich aber nicht …

Gertrud: Also ich krieg immer öfter kalte Füße … ich finde schon, dass das mal thematisiert werden könnte.

Egon: Also, äh ich denke nich, dass Coolness  was mit der altersbedingten Minderdurchblutung von Akren zu tun hat, ich denke eher an Nordic Walking und so, das ist cool. Mehr lesen