Sprache als Indikator für Intelligenz

Erstveröffentlichung 02.04.2014

In dieser Folge möchte ich mich mit einem Begriff beschäftigen, den jeder von uns tagtäglich in den Mund nimmt, oft aber nicht wirklich beherrscht. Den der  Sprache selbst nämlich. Sprache ist zunächst mal ein Mittel zur Kommunikation. Das ist jedem klar. Aber was bedeutet das? Kommunikation bedeutet Verständigung und Informationsaustausch. Aber Sprache ist mehr als das. Nehmen wir ein Beispiel:

„Scheiss-Wetter heute, was?“

„Ja, Scheiss Wetter“.

Hat dieser Dialog etwas mit Informationsaustausch zu tun? Wohl kaum, denn beide Kommunikanten wissen bereits, dass das Wetter scheisse ist. Wenn ich zu einem Zeitgenossen „Scheiss Wetter heute“ sage, dann habe ich ihn nicht darüber informiert, dass das Wetter nicht gut ist, denn das weiss er bereits selber. Ich kommuniziere auch nicht wirklich, denn der Gegenstand der Kommunikation ist ja nichts, was kommuniziert werden müsste. Wir nennen solcherart Austausch schlicht „Small Talk“ oder auch „Bla Bla“ oder einfach „Tratsch“. Hier dient die Sprache weder der Informationsübermittlung, noch der Kommunikation, sondern hat eine rein soziale Funktion. Man könnte dem Gegenüber auch einfach nur auf die Schulter klopfen und nach oben auf die Regenwolken deuten. Dies würde verstanden, abgenickt – und damit wäre die gleiche Art sozialen Austausches erfolgt, nur eben ohne Worte. Sprache braucht also nicht unbedingt immer Worte.

Bleiben wir aber trotzdem mal dabei, dass Sprache in erster Linie der Kommunikation dient. Besonders in Situationen, in denen keine Gesten möglich sind, wie beispielsweise im Radio oder in Büchern. Sprache wird hier zu etwas abstraktem, was sich erst konzeptionell in den Köpfen derer konkretisiert, die sie aufnehmen. Worte und ihre exakte Bedeutung sind also wichtig, um eine Übermittlung so interpretationsfrei wie möglich zu garantieren. Wenn Menschen also nicht richtig verstanden werden, müssen sie sich besser ausdrücken. Je schlampiger der Gebrauch der Sprache desto inkonsistenter wird sie interpretiert.

Typische Inkonsistenzen sind beispielweise die falsche Verwendung von wie und als, die Verneinung einer Frage, die aber als Bejahung gemeint ist „Gibt es keinen Wein mehr?“- „Nein“. Dabei will der Gefragte aber bestätigen, dass es keinen Wein mehr gibt, warum also antwortet er nicht folgerichtig mit „Ja“? Weil sich dieser Gebrauch eben eingebürgert hat. Wenn also Sprache ein exaktes Mittel zu Kommunikation sein soll, warum bürgern sich dann falsche Begrifflichkeiten ein? Antwort: weil die meisten Kommunikanten nicht darüber nachdenken, sondern stumpf plappern.

Die berüchtigte Aussage „Ist doch egal, Hauptsache man wird verstanden“, beweist nur eines: dass man sein eigenes Unvermögen bagatellisieren möchte. Und das sollten wir unseren Zeitgenossen nicht länger durchgehen lassen.

Sprache ist nicht nur ein Element der Kommunikation, Sprache ist Indikator für Intelligenz schlechthin. Wer schlampig spricht, der wird auch schlampig denken. Wer sich bei der Verwendung genau dieses Instruments unserer Kultur, unseres Menschseins so nachlässig zeigt, der wird kaum in der Lage sein komplexe Sachverhalten zu erkennen und zu interpretieren. Weil ihm dazu das Rüstzeug fehlt. Lektoren können ein Lied davon singen: tagtäglich werden ihre Briefkästen mit Manuskripten unbegabter Autoren überschwemmt. Von denen viele nicht einmal einer akzeptablen Rechtschreibung mächtig sind. Dabei bilden diese Autoren nur die Spitze des Eisbergs sprachlichen Schwachsinns. Denn sie stehen auf der Sprachpyramide schon allein deshalb schon recht weit oben, weil sie sich ja immerhin bemühen, ein sprachliches Machwerk zusammenzuschustern. Es wird also Zeit, endlich nicht mehr DNA zu sagen, wenn wir DNS meinen – weil DNA nunmal englisch ist (A = Acid = Säure), auch wenn sich sogar laut Wikipedia der Begriff DNA „durchgesetzt“ hat. Wie kann sich ein englisches Wort durchsetzen, für welches wir mühelos eine deutsche Entsprechung finden? Weils cooler klingt?

Ich appelliere daher an jeden von euch: Nehmt die Sprache nicht zu sehr auf die leichte Schulter. Denn wenn ihr der Sprache nicht mächtig seid, wird euch die Macht der Sprache niemals zur Verfügung stehen.

Oder siehst du das anders Flaussig?

Flaussig: Was? Ich hab nich zugehört!

Wissdorf: Wieso hast du nicht zugehört? Verdammt, da geb ich mir Mühe, eine Lanze für den wahrhaftigen Sprachgebrauch zu brechen, und du… du hörst einfach nicht zu!

Flaussig: Weil dein lahmarschiger Vortrag total unwitzig war. Wieso soll ich da zuhören, du Laberbacke?

Wissdorf: Und was würdest du tun, um besser verstanden zu werden?

Flaussig: Willst du das wirklich wissen?

Wissdorf: Ja, das will ich wirklich wissen!

Flaussig: Wenn ich nicht verstanden werde, dann BRÜLLE ICH. Dann versteht man mich schon, klar? Hast du das jetzt verstanden?? Du hyperarroganter Sprachfaschist?

Wissdorf: Ja. Das war deutlich.

Autor: Rael Wissdorf, Copyright (02.04.2014), alle Rechte vorbehalten.