Die Diktatur der Frühaufsteher

Patakaustik „Schwarze Serie“ (Was ist die schwarze Serie?)

Gleich vorneweg: Frühaufsteher sind die Pest. Aber bevor ich nach Leibeskräften auf diese Spezies eindreschen werde, zunächst eine Definition: wer ist ein Frühaufsteher?

Ein Frühaufsteher (oder das weibliche Pendant, die FrühaufsteherIn) ist ein Mensch, der es liebt, morgens vor acht Uhr aus den Federn zu springen, aus welchen Gründen auch immer. Meistens tun sie es, um irgendwie die Welt zu erobern, doch dazu später. Wer bis um 8 Uhr schläft ist schon kein Frühaufsteher mehr. Und damit meine ich keineswegs die bedauernswerten Zeitgenossen, welche vor 8 Uhr aufstehen müssen, weil berufliche oder andere Umstände sie dazu zwingen, nein hier ist die Rede von jenen, die das gerne tun, die gar nicht anders können, weil ihre Natur es verlangt.

Das allseits bekannte Gegenstück dazu, ist der Langschläfer. Doch schon in diesem Terminus zeigt sich die Perfidie des Systems. Als würde der Frühaufsteher weniger schlafen, als würde der Nachtmensch länger in den Federn schnarchen. Dabei ist oft das Gegenteil der Fall: ein sogenannter Langschläfer hat häufig weniger Schlaf, als der zwanghafte Frühaufsteher, der ja meist beizeiten zu Bett geht. Es sollte also nicht Langschläfer heissen, sondern bestenfalls Spätaufsteher. Noch treffender wäre die Unterteilung in „Nachteulen“ und „Morgenhühner“. Denn die einen leben nach der Devise „Carpe noctem“ oder versöhnlicher, denn Nachteulen müssen sich stets verstellen „Carpe diem et ama noctem (Nutze den Tag und liebe die Nacht)“, während die Morgenhühner grimmig den Tag verwenden, um ihre Vormachtstellung auszubauen. Mehr lesen

Der Sinn des Lebens

Googelt man diese Frage in Deutschland , erhält man aktuell 1 Million 350.000 Ergebnisse, die alles Mögliche umfassen, von der Zahl 42 bis zu Monty Python Filmen. Googelt man auf Englisch, erhöht sich die Zahl der Einträge auf satte 724 Millionen, wobei auch hier schnell die 42 sowie Monty Python gefunden werden. Das ist bemerkenswert, denn damit gehört diese Frage ohne jeden Zweifel zu den am häufigsten gegoogelten Begriffen. Selbst der Terminus „Sex“ mit nur 609 Millionen Einträgen oder Pamela Anderson mit läppischen 35 Millionen Suchergebnissen erreichen nicht dieses allgemeine Interesse. Und ganz oben in den Antworten dominieren zwei hauptamtliche Witzemacher: Douglas Adams und die Pythontruppe, die ohnehin miteinander zu tun hatten, denn Adams schrieb Sketche für die Pythons. Mal abgesehen davon, dass die Antwort „42“ auf die Frage nach dem Sinn des Lebens so absurd erscheint, dass fast jeder herzhaft darüber lachen muss, erklärt das aber nicht, warum sie so extrem populär ist. Patakaustik erklärt euch, warum: Weil sie stimmt. Mehr lesen

Cheiss Ch!

Ich habe lange überlegt, ob ich dieses leidige Thema anschneiden soll, aber es hilft ja nichts. Als Sprachtaliban muss diese Frage gestellt werden: Ist das ch ein Übel oder eine Notwendigkeit? Und warum können es so viele Menschen in Deutschland nicht aussprechen? Dazu gehören übrigens nicht nur Deutsche, sondern grundsätzlich auch viele Türken oder Araber. Dabei kennen Araber zumindest den krachenden chch-Laut, wie in „Arachnophobie“. Soll er aber „Kirche“ sagen, kommt „Kirsche“ dabei heraus.

Ich muss mich dabei an die eigene Nase fassen, denn ich selbst sage oft „schinesisch“ anstatt „chinesisch“. Woran das liegt? Es ist eindeutig Bequemlichkeit. Womit ich beim Kern des Übels bin. Denn wenn sich dialektsprechende Mitmenschen Mühe geben, sind sie durchaus imstande, ein allerliebstes ch aus ihrem Mündelein zu zaubern. Was streng dialektistisch erzogenen Menschen aber in der Tat extrem schwerfällt.

Schauen wir uns erstmal Dialekte an, die das ch fürchten, wie der Teufel das Weihwasser. Da wären zunächst die Sachsen. Dort sind es vor allem Endlaute, die verschlabbert werden. Lässt man einem Sachsen freien Lauf vernuschelt er einfach jeden Satz, und je später der Abend, desto konsequenter. Dann wären da die Hessen: sie sind absolut außerstande, ein sauberes CH abzusondern. Selbst wenn sie sisch Mühe geben und ansonsten ein blütenreines Hochdeutsch hervorbringen, so erkennt man ihre Herkunft mühelos am lässischen bzw. hessischen sch. Aber auch in allen übrigen Bundesländern grassiert das faule sch. Sogar in fast allen einschlägigen deutschsprachigen Popsongs und Schlagern. Es ist nahezu Mode geworden. Mehr lesen

Sprache als Indikator für Intelligenz

In dieser Folge möchte ich mich mit einem Begriff beschäftigen, den jeder von uns tagtäglich in den Mund nimmt, oft aber nicht wirklich beherrscht. Den der Sprache selbst nämlich. Sprache ist zunächst mal ein Mittel zur Kommunikation. Das ist jedem klar. Aber was bedeutet das? Kommunikation bedeutet Verständigung und Informationsaustausch. Aber Sprache ist mehr als das. Nehmen wir ein Beispiel:

„Scheiß-Wetter heute, was?“

„Ja, Scheiß-Wetter“.

Hat dieser Dialog etwas mit Informationsaustausch zu tun? Wohl kaum, denn beide Kommunikanten wissen bereits, dass das Wetter scheiße ist. Wenn ich zu einem Zeitgenossen „Scheiß-Wetter heute“ sage, dann habe ich ihn nicht darüber informiert, dass das Wetter nicht gut ist, denn das weiß er bereits selber. Ich kommuniziere auch nicht wirklich, denn der Gegenstand der Kommunikation ist ja nichts, was kommuniziert werden müsste. Wir nennen solcherart Austausch schlicht „Small Talk“ oder auch „Bla Bla“ oder einfach „Tratsch“. Hier dient die Sprache weder der Informationsübermittlung, noch der Kommunikation, sondern hat eine rein soziale Funktion. Man könnte dem Gegenüber auch einfach nur auf die Schulter klopfen und nach oben auf die Regenwolken deuten. Dies würde verstanden, abgenickt – und damit wäre die gleiche Art sozialen Austausches erfolgt, nur eben ohne Worte. Sprache braucht also nicht unbedingt immer Worte. Mehr lesen

Deutsche Wasser sind genitiv

Deutsche Sprache ist amüsant. Vor allem, weil viele Deutsche englisch reden, ohne es zu merken. Deutsche Sprache ist aber auch so kompliziert. Nicht nur, dass wir uns mit Fällen herumärgern müssen, die andere Sprachen so gar nicht haben, wie zB. das Englische. Wobei es die im Englischen schon gibt, es fällt nur nicht weiter auf, weil sie keinen Artikel kennen.

Das heißt, sie kennen ihn schon, aber es ist immer derselbe: the. Und als unspezifisches Syntagma verwenden sie ausschließlich das Wörtchen „a“ (a watch, a window, a man). Das macht ja dann auch das Radebrechen amerikanischer Besucher so amüsant. „Ick bin zu spät weil die Bus nicht ist gekommen“.

Im Falle des Falles nun, oder wissenschaftlich ausformuliert „Dativ, Genitiv oder für 10 Cent Akkusativ“ geben wir mal ein Beispiel: „Pick up the spoon“. Auf deutsch: Hebe den Löffel auf. Im englischen: Hebe der/die/das Löffel auf. Kein Fall zu hören, er geht schlicht im einheitlichen Artikelgedöns der Engländer unter. Der arme Deutsche muss sich den Kopf zerbrechen, welcher verdammte Fall das nun ist, der Engländer labert einfach drauflos.

Wahrscheinlich sind Hessen daher verkappte Engländer, denn in ihrer Sprache verwenden sie ebenfalls nur das Syntagma „ä“. „Gugge mol do driwwe, do is ä Uhr. Wann de große Zeischä uff de Zwölf stähe dudd, trewwe mer uns.“

Das ist doch glasklares Englisch. Nur „ä“ und „de“ (das th werden Hessen natürlich nicht aussprechen, sie lispeln ja nicht). Gilt übrigens auch für die Schwaben. Alles Engländer! Mehr lesen

Auf Deutsch gesagt: Über sinnlose Worthülsen

Hört man leider immer wieder und fragt sich jedesmal auf’s Neue, was es bedeuten soll: der Zusatz „auf deutsch gesagt“. Meist im Zusammenhang mit einer derben Umschreibung eines Sachverhalts. Beispiel: „Dieses Game ist [hier beliebigen Kraftausdruck einsetzen], auf deutsch gesagt!“ Ja, wie denn sonst? Ist der restliche Satz in spanisch, so dass er darauf hinweisen muss, dass er dieses spezifische Wort jetzt „deutsch“ spricht? Dies entbehrt jedweder Logik, denn ich wäre ja kaum imstande, einen spanischen Satz zu verstehen.

Andersherum ergäbe es Sinn. Wenn ein Amerikaner mir beispielsweise sagen würde: „This game is [beliebigen deutschen Kraftausdruck einsetzen], to say it in german!“, dann ergäbe es Sinn. Umgekehrt könnte der Deutsche mir auch mitteilen: „Dieses Spiel ist [beliebigen englischen Kraftausdruck einsetzen], auf englisch gesagt!“, dann könnte ich ebenfalls verstehen, was er meint. Auch wenn ich mich fragen müsste, warum man auf englisch fluchen muss, wenn man es auch auf deutsch sagen kann.

„Auf deutsch gesagt“ ist nichts weiter als eine kleinlaute Diminuierung, der klägliche Versuch, die Verwendung von Gossensprache zu entkräften. So als wolle man vermitteln: „Ja, das Wort ist Fäkalsprache, aber es ist Bestandteil der deutschen Sprache, und als Deutscher hab ich es verwendet, verdammt nochmal!“

Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass der Ausdruck nichts ausdrückt, außer „Ich habe keine Ahnung, was ich da rede, aber Hauptsache mal was gesagt!“

Sprache wird hier zum Selbstzweck, und dann verliert sie leider ihre kommunikativen Eigenschaften. Das nachplappern sinnloser Worthülsen zeigt dem Gegenüber nur eins: Dass man nicht weiß, was man redet.

Autor: Rael Wissdorf, Copyright (30.03.2013), alle Rechte vorbehalten.
Erstveröffentlichung 30.03.2013

Ariel in der Tube

Über neuzeitlichen Aberglauben und Hokuspokus

Dieses Thema war lange fällig, betrifft es doch das patakaustische Weltbild in all seinen Facetten. Ein Patakaustiker ist in erster Linie eines: misstrauisch. Und alles, was im weitesten Sinne mit Esoterik zu tun hat verdient allertiefstes Misstrauen. Und man kann nicht oft genug über Leute spotten, die diesen ganzen Mist glauben. Es ist sogar die Pflicht eines jeden Patakausten, nach Kräften zu spotten und zu verhöhnen, denn nur so gelingt es uns vielleicht, die hartnäckigsten Esoterikspinner in die Enge zu treiben, auf dass sie sich schamhaft winselnd in die dunkelsten Ecken verkriechen.

Aber schauen wir uns in der Esoszene doch mal genauer um. Was ist eigentlich alles „Eso“? Das fängt ja schon beim Begriff selbst an. „Esoterik“ ist zunächst mal ein griechisches Wort, also ein Begriff aus einer Sprache, die kaum ein Esoteriker sprechen kann. Es gibt zwar auch griechige Esoteriker, die machen sich aber eher in der Finanzbranche breit. Esoterik bezeichnet eine Lehre oder gar Philosophie, die nur einem kleinen „inneren“ Kreis zugänglich ist. Wahres esoterisches Wissen ist demnach also keinesfalls frei verfügbar, sondern wird in kleinsten Zirkeln, unter der Hand, nur wenigen Eingeweihten zugewispert. Keinesfalls aber bei Amazon in der Bestseller Ecke verhökert. Damit haben wir die gesamte Esoterik ohnehin schon ad absurdum geführt, denn was unter dem Mäntelchen „Esoterik“ vertrieben wird, ist bestenfalls das exakte Gegenteil davon. Mehr lesen

Evolution

Evolution. Die Veränderung der Merkmale einer Population von Generation zu Generation. Mehr nicht. Was leider viele fälschlicherweise tun, ist Evolution mit „Weiter Entwicklung“ zu verwechseln. Das ist natürlich absoluter Unsinn. Oder will jemand ernsthaft behaupten, die anspruchsvolle Progrock-Musik der Siebziger Jahre hätte sich in den Achtzigern mit Nenas Geplapper weiterentwickelt? Wohl kaum.

Evolution – das ist die Anpassung von Lebensformen an die jeweils vorherrschenden Umweltbedingungen. Und das impliziert keineswegs Fortschritt. Im Gegenteil, zuweilen kann eine Anpassung an Umweltbedingungen auch einen Rückschritt bedeuten. Schauen wir uns mal die Geschichte des Homo Sapiens an. Wobei der Name allein schon für Erheiterung sorgt, denn Sapiens heißt „weise“. Da wurde einfach nur ein S vergessen, denn die Evolution führte gnadenlos zur Vorherrschaft der Bleichgesichter, mit allen damit verbundenen Schrecknissen: Staus auf der A5, Massentierhaltung, Vergiftung der Umwelt, Globalisierung, DSDS. Wobei das nun streng genommen nichts mit der erfolgreicheren Hautfarbe zu tun hat, denn alle dunkelhäutigen Vertreter unserer Spezies sind nicht minder brutal. Die logische Konsequenz der Evolution wäre jetzt ein Virus, welches nur eben jenen Homo befällt und die gesamte Population ausrottet. Für den Planeten wäre es ein Segen. Klar würden auch ein paar nette Leute dabei draufgehen, also auch alle Veganer, Papiertütenbenutzer und Fahrradfahrer, aber diese Exemplare der Spezies waren schon immer opferbereit. So mancher Gutmensch würde sicher sofort sein Leben geben, würde ihm im Gegenzug garantiert, dass Leute wie Donald Trump und Erdogan auch unter den Leichen sind. Mehr lesen

Drive the Wechselgeld Nüsse

Jeff. Ich heiße Jeff.

Wir haben uns in den letzten Patakaustik Beiträgen vornehmlich mit dem Sprachgebaren im normalen Umgang beschäftigt. Wird langsam Zeit, dass wir uns Spezialthemen zuwenden, die uns nicht minder auf die Nerven gehen. Ein herausragendes Sujet in welchem sprachlicher Nonsens recht häufig in freier Wildbahn anzutreffen ist, stellt natürlich die Werbebranche zur Verfügung. Wobei hier natürlich nicht nur sprachliche Kriterien untersucht werden sollen, sondern ganz allgemein alles, was uns in täglichen Werbesendungen auf die Palme treibt.

Theoretisch könnten wir uns dann ein ganzes Leben lang damit beschäftigen, denn die Werbedummheit ist unendlich. Daher wollen wir uns auf einige ganz subjektiv ausgewählte Beispiele beschränken.

Harz4-Empfänger, selbständige Nachtarbeiter und ungehorsame Teenager kennen das Nachtprogramm aus dem FF. Und ab einer gewissen Uhrzeit werden da fast nur noch einschlägige Erotik-Angebote beworben. Die unfassbar dümmlich geplärrten Nullhundertneunzig fümmunfümmzich-sexsex Slogans wollen wir hier gar nicht weiter erwähnen, denn dass diese sich nicht an das Gehirn oder gar Sprachzentrum des Zuschauers wenden, sondern an einige Etagen tiefer, wird selbst dem Dümmsten schnell klar. Das einzige Bonmot, welches es hier jemals über den Dunstkreis maßloser Flachheit herausgeschafft hat, dürfte der Spruch der Domina sein, die peitschenknallend skandierte: RUF.MICH.AN. Mehr lesen

Den Vortex kalibrieren, aber schnell!

Technobabbel nicht nur in SciFi-Serien sondern auch in der Esoterikszene.

Unsere Zeit ist voller faszinierender Erfindungen, fast täglich kommen neue hinzu. Das dumme daran ist, dass Menschen mit den Jahrhunderten nicht klüger geworden sind. Und unser Gehirn hat sich seit einigen tausend Jahren auch nicht mehr maßgeblich verändert.

Unsere Arroganz übrigens ebenfalls nicht.

Manche Zeitgenossen machen sich einen Spaß aus der Vorstellung, einen Steinzeitmenschen per Zeitmaschine urplötzlich aus seiner Höhle bei Neanderthal auf eine belebte Kreuzung einer Großstadt zu befördern, sagen wir mal, den Times Square in New York. Und dann beömmeln sie sich bei dem Gedanken, was der wohl für ein blödes Gesicht machen würde.

Manche schließen auch mit sich selbst Wetten ab, wie lange der Urmensch da wohl überleben würde.

Ich finde diese Vorstellung nicht wirklich lustig. Denn das tatsächliche Ergebnis wäre ernüchternd. Der Steinzeitmensch würde sich nämlich gar nicht groß darüber aufregen. Dass er jetzt von seiner Höhle in eine ihm bis dato vollkommen unbekannte Welt versetzt worden ist, würde er sich mit irgendeinem Hexenzeugs erklären und nicht weiter drüber nachdenken. Dass lautstark heranrasende Monster auf vier Rädern gefährlich für ihn sind, weiß er spätestens seit ihn ein tollwütiger Elch quer durch den Finsterwald getrieben hat. Dass sein Fellkostüm und sein knorriger Prügel in der rechten Hand nicht ganz dem modischen Zeitgeschmack entsprechen, hätte er auch recht schnell kapiert. Nur wenige Wochen später säße der Urmensch im beschlipsten Anzug an einer Cappuccino-Bar und würde mit einem Anthropologen die neusten Börsenkurse diskutieren. Mehr lesen