Ein Prequel zur Höhlenwelt-Saga von Harald Evers
Mit Harald Evers verband mich eine Freundschaft von über zwanzig Jahren.
Kennengelernt haben wir uns in einer Zeit, in der wir beide als Game Designer arbeiteten. Harald hatte gerade mit Der leuchtende Kristall ein aufwendiges Point-&-Click-Adventure bei Software 2000 veröffentlicht und plante eine 3D-Umsetzung, an der ich mitwirken sollte. Es war eine Phase des Aufbruchs, voller Ideen und Experimente – doch nicht alle Wege ließen sich wie gedacht weitergehen. Nach einem Wechsel zur oP group trennten sich unsere beruflichen Pfade wieder.
Was blieb, war die Idee.
Harald begann, aus dem Stoff eine Romanreihe zu entwickeln – die spätere Höhlenwelt-Saga, die sich zu einem großen Erfolg entwickelte. Acht Bände, eine eigenständige Welt, eine treue Leserschaft. Doch dieses Werk blieb unvollendet: 2006 verstarb Harald Evers viel zu früh.
Viele Jahre später erhielt ich vom neu gegründeten Trivocum Verlag den Auftrag, mich dieser Welt erneut zu nähern – entweder, um die Saga fortzuführen oder ihr eine neue Perspektive zu geben. Ich entschied mich bewusst für Letzteres. Ein Prequel schien mir der bessere Zugang: für neue Leser ebenso wie für diejenigen, die die Höhlenwelt bereits kannten.
So entstand Das Vermächtnis des Drachenlords.
Die Geschichte führt fünfundzwanzig Jahre vor den Ereignissen der ursprünglichen Saga in das Dorf Angadoor, die Heimat des jungen Magiers Munuel. Das Auftauchen eines Fremden – Meister einer alten, verbotenen Magie – setzt eine Kette von Ereignissen in Gang, die Munuels Leben unwiderruflich verändern.
Als sein Dorf überfallen wird und er einen schweren Verlust erleidet, bleibt ihm keine Wahl: Er muss sich auf den Weg machen. Gemeinsam mit seinem Mentor Gelmard und der Prinzessin von Savalgor begibt er sich auf eine gefährliche Reise, verfolgt von dunklen Mächten und getrieben von Fragen, die weit über sein bisheriges Leben hinausreichen.
Sein Weg führt ihn schließlich nach Ranasuristan, zu den sagenumwobenen Wolkeninseln – einer Welt, in der andere Regeln gelten. Hier begegnet er einer Kultur, in der die Frauen das Sagen haben, und der entschlossenen Kriegerin Aeryn, die ihm zur Verbündeten wird.
Doch auch hier ist nichts von Dauer. Alte Konflikte, fremde Ordnungen und persönliche Entscheidungen greifen ineinander – und stellen Munuel vor die Frage, welche Welt er bereit ist zu akzeptieren.
Das Vermächtnis des Drachenlords ist ein eigenständiges Abenteuer und zugleich eine Rückkehr zu einer Welt, die mich lange begleitet hat. Es erzählt von Aufbruch und Verlust, von kulturellen Gegensätzen – und davon, dass Erkenntnis oft erst dort beginnt, wo Gewissheiten enden.
Oder, wie man in Ranasuristan sagt:
Empeirienza kaína gliss.
Erfahrung macht klug.


