Eigentlich wollte ich schon mit vier Jahren Schriftsteller werden.
Daran war Karl May schuld.
Während andere Kinder Lokführer, Cowboy oder Astronaut werden wollten, hatte ich einen anderen Helden: Old Shatterhand. Und Old Shatterhand war Schriftsteller.
Nun war selbst einem Vierjährigen klar, dass die Chancen auf eine Karriere im Wilden Westen eher überschaubar waren. Also blieb nur der Teil mit dem Schreiben.
Bevor ich überhaupt eingeschult wurde, hatte ich bereits sämtliche Winnetou-Bände verschlungen. Lesen war für mich nie etwas, das man lernen musste. Es war einfach da, wie Atmen oder Neugier.
Das führte gelegentlich zu Missverständnissen.
Als ich meiner Lehrerin vorlas, was an der Tafel stand, glaubte sie zunächst nicht, dass ich tatsächlich lesen konnte, sie hielt es für einen Trick. Die Geschichte endete mit einer Ohrfeige und der Erkenntnis, dass nicht jeder Erwachsene bereit ist, sich von einem kleinen Jungen überraschen zu lassen.
Meine Liebe zu Geschichten hat das nicht gebremst. Im Gegenteil.
Später kamen andere Leidenschaften hinzu. Musik zum Beispiel. Mit siebzehn stand ich als Gitarrist auf der Bühne, schrieb Theatermusik und begleitete mehr als hundert Aufführungen. Danach folgten Journalismus, Filmkritik, ein abenteuerliches Filmprojekt mit Eddie Constantine, Game Design, virtuelle Welten und schließlich die Literatur in all ihren Formen.
Manches gelang.
Manches scheiterte spektakulär.
Beides hat sich als nützlich erwiesen.
Heute erschaffe ich Welten.
Manche liegen tief unter der Erdkruste eines fremden Planeten. Andere führen in die geheimnisvollen Reiche von Yanthalbor. Wieder andere reichen von den Piraten des indischen Ozeans bis in die ferne Zukunft von Liber Hawks, wo Erinnerung selbst zu einer Macht geworden ist.
Neben dem Schreiben von Büchern komponiere ich neoklassische Musik und Soundtracks. Für mich gehören Literatur und Musik zusammen. Beide erzählen Geschichten. Die einen mit Worten, die anderen mit Klängen.
Zwischendurch habe ich Computerspiele entworfen, darunter das Science-Fiction-Projekt Skaphander, einen Spielfilm mit Eddie Constantine gedreht und dann in den Sand gesetzt, Webseiten gebaut, Verlage gegründet und mehr Projekte begonnen, als vermutlich gesund ist.
Geblieben ist immer dasselbe: Die Freude daran, neue Welten zu erfinden.
Wenn Sie hier gelandet sind, lade ich Sie ein, ein wenig zu stöbern.
Vielleicht finden Sie einen Drachen, einen Detektiv, eine Piratenkönigin, eine künstliche Intelligenz oder einen Jungen, der vor vielen Jahren Karl May las und nie wieder damit aufgehört hat.
Reinhard Rael Wissdorf
Schriftsteller · Komponist · Journalist · Game Designer · Autorencoach


