Über Schriftstellerei

Was Schriftsteller angeblich sind – und was sie wirklich tun

Über kaum einen Beruf wird so viel gemunkelt wie über den des die Schriftstellers:In. Und über kaum eine(n) wird mehr Halbwissen verbreitet. Wer ist überhaupt einer? Ab wann darf man sich „Schriftsteller:in“ nennen – ohne dass einem jemand auf die Finger klopft?

Die Antwort ist einfach:
Wer (fast) täglich fiktional schreibt, ist Schriftsteller:in.
Wer nicht fiktional schreibt, ist Autor:in.
Und wer nur ab und zu mal was schreibt, ist Hobbyautor:in.
So. Jetzt höre ich auf zu gendern – ihr wisst schon, dass es Schriftstellerinnen auch gibt.

Eine mir bekannte Lektorin sagte mal: „Der Schriftsteller beginnt mit dem zweiten Buch.“
Ein erstes Buch kriegt fast jeder irgendwie hin – mit Glück, Kaffee und Schmerzmitteln. Aber ein zweites Buch? Das schreiben nur Profis.

Und was ist mit Veröffentlichung? Zählt nur, wer bei einem Verlag rauskommt? Quatsch. Auch Selfpublisher sind Schriftsteller – manche davon sehr gut, andere eher… optimistisch. Und sogar sehr schlechte verkaufen sich manchmal großartig. Denn Geschmack ist, wie wir wissen, kein Kriterium, sondern ein Mysterium. Was meint ihr, wer wird mehr gelesen: Martin Walser oder Wolfgang Hohlbein?


🧙‍♂️ Mythen über Schriftsteller

Mythos 1: Schriftsteller sind reich.
Sekunde – ich muss kurz in den Keller heulen gehen.
So. Wieder da. Nein, wir sind nicht reich.
Ein paar Ausnahmen wie King, Rowling, Fitzek? Klar. Aber die sind wie Robbie Williams in der Musik: auffällig, aber selten.
In Deutschland leben vielleicht 150 Schriftsteller komfortabel von ihrer Arbeit. Der Rest lebt – sagen wir mal – kreativ.

Mythos 2: Schriftsteller sind berühmt.
Wann habt ihr zuletzt einen Autor in einer Talkshow gesehen?
Richtig. Wir kommen nicht mal ins Dschungelcamp.
Die meisten Schriftsteller kennt man nicht. Man kennt vielleicht ihre Bücher, Drehbücher, Übersetzungen, aber nicht die Menschen dahinter. Und das ist okay. Wer berühmt werden will, sollte Musiker werden. Oder Fußballer. Oder Influencer mit Ringlicht.

Mythos 3: Schriftsteller sein ist total cool.
Zitat von Andreas Eschbach:

„Die Wahrheit ist: Schriftsteller führen in erster Linie ein einsames Leben. Man verbringt den größten Teil seiner Zeit allein in einem stillen Zimmer und schreibt.“
Dazu kann ich nur sagen: Ja. Und wenn man mit Menschen redet, wirkt man oft geistesabwesend, weil der letzte Absatz noch nachglüht.
Das tägliche Leben gleicht oft dem einer alleinerziehenden Mutter: Haushalt – Schreiben – Haushalt – Schreiben – Haushalt.
Und nein: Hausangestellte sind selten drin (siehe Mythos 1).


🤔 Warum also wird man Schriftsteller?

Vielleicht, weil wir klug sind. Mythos 4: Schriftsteller wissen viel.
Das stimmt – irgendwie. Im Laufe der Zeit häuft man Unmengen von Wissen an. Ob nützlich oder nicht, sei dahingestellt.
Ein Sci-Fi-Autor weiß oft mehr über Quantenphysik als der durchschnittliche Sparkassenvorstand. Und wer, wie ich, zwischen den Genres springt, muss sich mit Geschichte, Technik, Psychologie und Weltpolitik herumschlagen. Nicht, weil er’s muss – sondern weil es sonst keiner tut.

Schriftsteller sind klug. Und eitel.
Sie wollen, dass man merkt, wie klug sie sind. Deshalb schreiben sie. Unter anderem.
Die geistreichsten Posts auf Facebook? Häufig von Schriftstellern.
TikTok? Lassen wir. Das ist das Reich der anderen.


🪵 Warum ich schreibe?

Weil ich’s kann. Weil ich’s muss.
Weil ein Schreiner auch nicht jeden Morgen fragt, warum er schreinert.

Ich schreibe nicht, um berühmt oder reich zu werden. Ich schreibe, weil es einfacher ist, es zu tun, als es zu lassen.

Und wer weiß – vielleicht ist das schon Grund genug.